Viele Teichbesitzer wundern sich, warum Fadenalgen ausgerechnet im September und Oktober noch einmal massiv wachsen. Der Grund: Während höhere Wasserpflanzen (Seerosen, Schwertlilien) ihr Wachstum einstellen und Nährstoffe freisetzen, nutzen Fadenalgen den niedrigen Sonnenstand und das überhöhte Phosphat-Angebot voll aus. Wer jetzt mit chemischen Algiziden arbeitet, verschlimmert das Problem im Winter dramatisch: Die absterbenden Algen sinken zu Boden und erzeugen unter dem Eis giftige Faulgase. Richtig ist das mechanische Aufwickeln und das anschließende Binden von freiem Phosphat.
Die 3 Herbst-Regeln gegen Fadenalgen
- Keine chemischen Vernichter ohne Absaugung: Getötete Algen müssen innerhalb von 48 Stunden aus dem Wasser, sonst entsteht eine Nährstoff-Dauerschleife.
- Mechanisch ernten: Algenbürste oder Holzstab nutzen – das entfernt die Nährstoffe physisch aus dem Teichkreislauf.
- Phosphatwert unter 0,035 mg/l senken: Ab diesem Grenzwert verhungern Fadenalgen auf natürliche Weise.
1. Warum explodieren Fadenalgen im Spätsommer?
Im Spätsommer treffen drei begünstigende Faktoren aufeinander:
- Wachstumsstopp der höheren Wasserpflanzen: Seerosen, Hornblatt und Wasserpest ziehen ihre Nährstoffe in die Wurzeln zurück und sterben oberirdisch ab. Sie nehmen kein Phosphat mehr auf.
- Freisetzung von Nährstoffen (Rücklösung): Absterbende Pflanzenblätter und Fischkot zersetzen sich und fluten das Wasser mit freiem Orthophosphat ($PO_4^{3-}$).
- Kälteresistenz der Algen: Während viele Prachtpflanzen ab 15 °C stagnieren, wachsen Fadenalgen (Spirogyra / Cladophora) noch bei Wassertemperaturen von bis zu 6 °C problemlos weiter.
2. Der richtige Maßnahmenplan: In 3 Schritten algenfrei in den Winter
| Schritt | Maßnahme | Wirkung & Ziel |
|---|---|---|
| 1. Mechanischer Export | Aufwickeln mit Algenbürste oder Klobürste am Teleskopstiel | Direkter Entzug von Biomasse und gebundenem Phosphat |
| 2. Pflanzenschnitt | Gelbe Blätter von Seerosen und Unterwasserpflanzen herausschneiden | Verhindert, dass Pflanzenteile auf den Grund absinken und faulen |
| 3. Phosphatbindung | Einsatz mineralischer Phosphatbinder (z. B. auf Lanthan- oder Eisenhydroxid-Basis) | Bindet gelöstes Phosphat irreversibel in unlösliche Minerale |
3. Phosphat-Grenzwerte verstehen und messen
Für eine stabile Wasserbiologie sollten Sie die Wasserwerte im September mit einem Tröpfchentest (nicht mit ungenauen Teststreifen) bestimmen:
- Phosphat ($PO_4$): Optimal < 0,035 mg/l. Ab 0,05 mg/l herrscht Algenüberfluss.
- Karbonathärte (KH): Mindestens 5 bis 8 °dH erforderlich. Die Karbonathärte fungiert als Säurepuffer. Ist der KH-Wert zu niedrig, droht bei Algenblüten ein gefährlicher pH-Sturz in der Nacht.
- Gesamthärte (GH): Optimal 8 bis 15 °dH für gesunde Zellfunktionen von Fischen und Mikroorganismen.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Hilft die UVC-Lampe gegen Fadenalgen?
Nein! Ein UVC-Klärer tötet ausschließlich mikroskopisch kleine Schwebealgen ab, die das Wasser grün und trüb färben. Fadenalgen sitzen fest an Steinen, Folie und Pflanzen und werden vom UV-Licht nicht erfasst.
Warum sollte man die Algen morgens abfischen?
Über Nacht produzieren Algen keinen Sauerstoff, sondern verbrauchen ihn. Morgens haben sie etwas weniger Gasblasen in ihrem Gespinst und lösen sich bei Berührung oft leichter von Steinen und Folienkanten.
